Willkommen in der Nicht-Selbst-Welt 2: Das Ajna

Titelbild Gehirn in Glühbirne - Das Ajna und das Denken im Nicht-Selbst

Heute: Denkste!

Wie das Ajna im Nicht-Selbst unser Leben leitet – und wie es besser geht.

Folgst du immer noch Descartes‘ „Ich denke, also bin ich“ – Dem vielleicht größten Trugschluss des Homo sapiens?

Oder hältst du es lieber mit Juliane Werding: „Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst…“?

Oder wie wäre es mit Platons Sokrates, der bekennt: „Ich weiß, dass ich nicht weiß?“

Moderner sagt es Einstein: „Je mehr ich weiß, desto mehr erkenne ich, dass ich nichts weiß.“

Doch wir leben weiterhin in der Höhle und starren auf die Schatten an der Wand, geben ihnen Worte und Namen. Nomen est omen? Oder sind Namen doch eher Schall und Rauch?

Wie dem auch sei, eins steht fest: Der moderne Mensch denkt sich so einiges, und zwar den lieben langen Tag und schier ununterbrochen. Jeder hat eine Meinung, die gerade heutzutage auch permanent über jeden Kanal nach außen geblasen wird wie kalte Luft aus der Klimaanlage. Und natürlich hat jeder auch noch Recht, was bisweilen mit aller Macht demonstriert wird. Das Schlimmste aber: Der Großteil dieses Gedanken sind wenig mehr als Datenmüll.

Cassetten-Bandsalat, Ajna-Wirrwarr
Nur noch Müll

Dennoch identifizieren sich die meisten so sehr mit ihrem Denken, dass sie nicht imstande sind, diese Identifizierung überhaupt bemerken zu können. Das Ich sitzt gleichsam im Kopf und wähnt sich als unübertroffen und einzig.

Erst wer einmal durch Meditation oder eigene unaufhörliche Sorgen darauf aufmerksam wird, dass die eigenen Gedanken vielleicht nichts weiter sind als ein unaufhörlicher Fluss von Worten, Bildern, Geschichten, Ideen, Schlussfolgerungen und Sinnlosigkeiten, der wagt – vielleicht – einen kurzen Blick auf das, was angeblich „Sender“ dieser Flut ist und fragt sich verdutzt, wie gut Tiere es haben mögen.

Die Gedanken sind frei. Du kannst alles denken. Du kannst mit Ihnen in die Zukunft, Vergangenheit, ins Weltall, den Erdkern, in ein Atom und in die Phantasie reisen. Es gibt keine Grenzen. Das Problem entsteht tatsächlich eigentlich erst, wenn wir unsere Gedanken ernst nehmen, sie befolgen, Ideen vorschnell umsetzen, oder wenn wir ihnen soviel Macht über uns geben, dass sie uns beherrschen. Besessen von bestimmten Gedanken zu sein, kann eine Qual sein.

Doch wer bestimmt, dass wir ihnen folgen müssen? Wer oder was ist dieses“Ich“, dass da scheinbar im Kopf sitzt und den Kutscher unseres Lebens mimt? Das „ich“, das sich pausenlos aus dem Gedankenfluss einzelne Dinge herausfischt und sich darüber aufregt? Das Nicht-Selbst, das dem Ajna entspringt, ist so häufig verbreitet, dass es wirklich niemandem aufzufallen scheint.

Allenfalls ein paar Mystiker und Weise fragen: Könnten wir nicht auch einfach  in Gleichmut verweilend dem ewigen GedankenStrom einfach beim Vorüberschwimmen zusehen? Und was wäre dann?

Frau am Fluss
Photo by Julia Caesar on Unsplash

„Du kannst zwar alles essen, aber du musst nicht alles wissen“, so sagte meine Schwester zu mir, als ich noch klein und doch schon sehr, sehr neugierig war und sie immerzu Löcher in den Bauch fragte. Lustigerweise war ihr Lieblingskuscheltier ein Hase, den sie nach dem TV-Comic-Star Bugs Bunny taufte: „Mein Name ist Hase, ich weiß Bescheid!“

Na ja, essen mag ich sicher nicht alles, aber theoretisch wäre es zumindest möglich. Alles wissen? Nein, niemals. Das ist schade und gut zugleich. Das lässt nämlich Raum, die Welt und sich selbst zu entdecken. Das ist deine Reise.